Flüchtlinge in Europa – was tun?

Hausmittel, von Haus aus, zu Hause in der Welt: Phänomenologie fördert Frieden in der Welt
Bernhard Augustin, Salzburg

Hat nicht unsere Mutter empfohlen, die Füße in heißem Salzwasser zu baden, wenn sich eine Verkühlung über die kalten Füße einschleichen möchte?! Das und tausende andere Hausmittel tragen zur Qualität des Lebens des Menschen bei.

Es zeugt von gutem Charakter, solche von Haus aus angeratene Hausmittel anzunehmen, anstatt aus persönlichem Stolz oder Wissenschaftsgläubigkeit einen umsichtig erteilten Rat leichtfertig in den Wind zu schlagen. »Guter Rat ist teuer«, so teuer, dass er nicht in Geld oder persönlichen Einsatz aufwiegbar ist; wir können uns nur aufrichtig dankbar zeigen, um in rechter Weise zu antworten.

Zu vielfältig sind die Anwendungsgebiete der Hausmittel, um hier auch nur zu beginnen, sie aufzuzählen oder gar zu erläutern, wie sie wirken. Hingegen entdecken wir einen uns gemeinsamen Nenner, wenn wir über das und jenes, das uns gesagt oder getan wird, von Grund auf nachdenken. Dass ein Mensch dem eigenen Verstand von Grund auf eine gute Ausrichtung geben kann, ermöglicht ihm, seinen unzähligen und vielen Talenten, persönlichen und gemeinschaftlichen, die rechte Form und Ordnung zu geben; das zählt wesentlich zu dem, was von Haus aus gilt, worüber man aber natürlich auch reden kann. Persönliche und soziale Ordnung beginnt also in den Gedanken des einzelnen und dazu braucht es guten Geist. Deshalb lässt uns der Herrgott durch den heiligen Augustinus unseren Verstand herausfordern und an „eine Ordnung denken, die den Frieden bringt“1 (lat.: pax omnium rerum tranquillitas ordinis2), an eine gute Ordnung also und nicht an eine willkürliche oder beliebige Ordnung. Die Frage nach der guten Ordnung stellt sich auch angesichts der während dieser unserer Zeit anhaltenden Flüchtlingsströme in unsere Region. Diese Herausforderung ist inzwischen zu einer weltweiten, allgemeinen Aufgabe angewachsen. Wir wollen daher in allgemein gültiger, das heißt philosophisch phänomenologischer Sicht und von Grund auf diese Aufgabe in den Blick nehmen. Phänomenologie steht ja für eine Philosophie, die spontane Einsichten von Grund auf nicht einfach ignoriert, sondern sie gerade freilegt und erhebt.

Die phänomenologische Methode beginnt damit, vorwissenschaftliche Theorien3 und diffuses Bauchgefühl, die einem im Kopf und im Herzen bewusst oder unbewusst „herumschwirren“, zunächst einmal auf sich beruhen zu lassen4. Dieser Vorgang in der phänomenologischen Methode wird in den Schritten der Epoché5 vollzogen. Diese bedeuten nicht Wirklichkeitsverlust, sondern gerade Zugehen auf die Wahrheit6. So kann jeder Mensch immer wieder nüchtern denken und insbesondere sich erneut bewusst machen, dass Gott ihn zum Denken befähigt hat und dass für gewöhnlich die eigenen Gedanken die Handlungen im eigenen, gewöhnlichen Leben zu steuern beginnen; jeder kann also die rechte Ordnung der Dinge im Persönlichen anstreben und erreichen. Jeder lebt offensichtlich aber auch in einer Ordnung, die über ihn selbst, das Individuum, hinausreicht, in diese Ordnung erscheinen auch andere Menschen eingebunden. Von der rechten Ordnung im Persönlichen geht daher auch eine Wirkung auf jene weiterreichende Ordnung aus, in die jede persönliche Ordnung eingebettet ist. Ordnung im persönlichen Leben trägt also auch zur rechten Ordnung in der Gesellschaft bei. Zuerst denken, dann reden und „an dritter Stelle, weit »an dritter Stelle« das Tun“7, rät der hl. Josefmaria in unseren Tagen zu einer guten Ordnung am Weg zur Beschaulichkeit inmitten einer unausweichlich unsteten und immer wieder ungeordneten Welt.

Haben sie von Grund auf schon einmal an die Wandlungen der Ordnung und der inneren Sicherheit in unserem Land, an Veränderungen der Bevölkerung durch „Familienzusammenführungen“ gedacht!? – Auch festeres Schuhwerk trägt dazu bei, eine unnötige Unannehmlichkeit durch Kälte möglichst zu vermeiden und stellt dann in der Folge mit der Förderung des persönlichen Wohlbefindens eine Hilfe für alle Betroffenen dar. Das Leben wird durch ‚feste Schuhe‘, eine Orientierung, erleichtert und kommt man gut voran. Begegnen wir Flüchtlingen und Flüchtlingsströmen von Grund auf, dann lässt uns das leicht in einer konkreten Situation die rechte Ordnung suchen und mit geeigneten Mitteln auch herstellen; so leben wir wie zu Hause in der Welt, die sich ja immer wieder verändert; »zu Hause in der Welt«, das bedeutet zuerst im eigenen geistigen Kampf8, und dort mit Leib und Seele, mit Herz und Hirn die rechte Ordnung der Vernunft erringen. Dieses Vorgehen ermöglicht, den Frieden herzustellen, anstatt nur in dumpfer, innerer Betroffenheit über das vermeintliche Schicksal zu „sinnieren“, zu reden oder unverhältnismäßig – sei es zu wenig, sei es zu viel - aktiv zu werden und damit möglicherweise auch noch andere in Unruhe zu versetzen.

Menschen mit gutem Charakter können einander unendlich dankbar sein für eine Begegnung in rechter Ordnung; und sie werden das auch entsprechend zeigen, wenn sie dazu von jenen in die Lage versetzt werden, die die Macht dazu haben. Diese Macht und untrennbar damit verbunden die jeweilige Verantwortung hat in seinem konkreten, aktuellen Bereich jeder Mensch: der Politiker in der Politik, der Familienvorstand in seinem Hauswesen, Bürger und Bürgerinnen im gesellschaftlichen Engagement und jeder zuerst in seinem eigenen, inneren Leben. Willkommen zu Hause!

27.10.2015/11.11.2015

Literaturverzeichnis
Augustinus, A. (426 n.Chr.). Abgerufen am 5. 10 2015 von
www.hs-augsburg.de~harsch/Chronologia/Lspost05/Augustinus/aug_cd00.html
Escrivá de Balaguer, J. (1984). Der Weg. Köln: Adamas Verlag.
Escrivá, J. (1977). Christus begegnen. Köln: Adamas.
Husserl, E. (1950 ff.). Husserliana. The Hague.
Scheler, M. (1954 ff.). Gesammelte Werke. Bern/München.
Sepp, H.-R. (2004). Epoché. In H. Vetter, Wörterbuch der phänomenologischen Begriffe (S. 145-151). Hamburg: Felix Meiner Verlag.
Vetter, H. (2004). Welt. In H. Vetter, Wörterbuch der phänomenologischen Begriffe (S. 611 - 614). Hamburg: Felix Meiner.
Zentrum für Augustinusforschung in Würzburg. (3. April 2012). Augustinus-Zitatenschatz, Friede. Abgerufen am 27. Oktober 2015 von
http://www.augustinus.de/bwo/dcms/sites/bistum/extern/zfa/textevon/zitatenschatz/stichwort.html?f_action=show&f_entry_id=841&f_back_action=

Es besteht die Möglichkeit, Anregungen und Anfragen zur Phänomenologie an: info@edithstein.at zu richten.





  • 1 Vgl. (Zentrum für Augustinusforschung in Würzburg, 2012): „… dass diesem (…) Text eine Ontologie (Lehre vom Sein und dem Seienden) zugrunde liegt, was allein schon aus den Wortfeldern ‹ordo-Ordnung› und ‹ordinare-ordnen› hervor-geht. Antike Philosophen betrachteten die Welt als einen Kosmos, als ein gestuft geordnetes Ganzes. Aufgabe der Philosophie war es, diese Ordnung erkennen zu lehren und auch sittliches Handeln danach auszurichten.“
  • 2 (Augustinus, 426 n.Chr.), De civitate Dei, 19, 13. und 15.
  • 3 Solche Theorien können aus eigenen Schlüssen, aus wissenschaftlichen Theorien, die übernommen werden oder aus einer Vermengung von beiden bestehen.
  • 4 Die phänomenologische Forschung verwendet dafür den Begriff einklammern..
  • 5 (Sepp, 2004), S. 145 ff.
  • 6 (Husserl, 1950 ff.), Husserliana III/1, 64: „In Beziehung auf jede Thesis können wir und in voller Freiheit diese eigentümliche Urteilsenthaltung üben, eine gewisse Urteilsenthaltung, die sich mit der unerschütterten und ev. unerschütterlichen, weil evidenten Überzeugung von Wahrheit verträgt.“
  • 7 (Escrivá de Balaguer, 1984), Punkt 82..
  • 8 (Vetter, 2004), S. 611: Scheler beispielsweise spricht im Kontext eines metaphysischen Welt-Entwurfs von einem Welt-Prozeß, der durch den Gegensatz von Geist und Drang vorangetrieben wird. „Menschwerdung ist Erhebung zur Weltoffenheit Kraft des Geistes.“ (Scheler, 1954 ff.), Band 9, S. 33. (Escrivá, 1977), Nr. 75: Der Christ führt einen ständigen Krieg. Denn in seinem Innenleben muß er stets beginnen und immer wieder neu beginnen.

 

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